Fußball!
Fußball - Tore für die Bildung?
Dass das Thema Bildung bei der ghanaischen Regierung offensichtlich nicht an erstere Stelle steht, zeigt schon die Notwendigkeit des Projektes "African Angel" für die Kinder von Bukom. Wen wundert es da, wenn sich die Auf- und Ausstiegsträume der Kinder aus den benachteiligten Bevölkerungsgruppen zu fast 100 Prozent nur um eines drehen: Ein berühmter Fußballspieler zu werden, der viel Geld im Ausland verdient und in Ghana mit einer goldenen Rolex am Handgelenk, einer schönen Frau im Arm in einem tollen Mercedes herum kutschiert.
Der Traum aus den Armenvierteln
Unsere Paten sind mit diesem Traum ihrer Kinder hautnah konfrontiert, denn fast jeder Junge aus Bukom gibt ihn bei den ersten Befragungen an. Erst später, im weiteren Fortschritt ihre ´Bildungskarriere´ eröffnen sich ihnen auch die anderen Perspektiven: LehrerIn, Anwalt/Anwältin, Arzt/Ärztin, Medien- oder IT- Berufe etc. In der Zeit bis dahin waren unsere African Angel-Kinder - unter denen sich immer viele begabte Bewegungstalente befinden - allerdings den Einflüsterungen und verlockenden Angeboten der professionellen Fußball-Menschendealer fast wehrlos ausgeliefert. Diese modernen Menschenhändler ´bevölkern´ die öffentlichen Bolz- und Schulsportplätze auf der Suche nach geeignetem ´Menschenmaterial´ für die häufig unterklassigen Ligen. Mit großen Versprechungen auf Reichtum und Ruhm im Black Star Team locken sie die Kinder weg aus den Schulen in eine ungewisse Zukunft. Für den von African Angel angebotenen Bildungsweg sind diese Kinder dann natürlich verloren, denn statt Arbeit und Disziplin versprechen die Dealer in Accra schnelles und leicht verdientes Geld. Dass diese Masche nicht nur in Afrika zieht, zeigt uns allen ja das Beispiel DSDS bei uns!
Harriets schlimmste Befürchtung wird wahr!
Immer trug die Vereinsgründerin diese Angst um ihre Jungs im Herzen und während ihres Aufenthaltes in Accra 2009 war es dann soweit: Eines der Kinder kam am Abend nicht aus der Schule zurück! Eine sofort eingeleitete Suchaktion bestätigte ihre Befürchtungen: Das Kind war von einem professionellen Fußballscout ´geshanghait´ worden. Wie eine Löwin kämpfte Harriet in den kommenden Stunden um den Jungen und es gelang ihr, mit welchen Mitteln auch immer, das Kind wieder in das African Angel-Heim zurück zu bringen. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, war ihr klar, dass so etwas immer wieder vorkommen würde und sie nicht in der Lage sein würde die noch ungefestigten Kinder davor zu bewahren. Dafür hatte sie weder Zeit noch Mittel. Aber Harriet hatte eine Idee für die Zukunft!
African Angel wird Schule ... Fußballschule!
Wenn nicht einmal unsere Schulen die modernen Rattenfänger von ihren Sportplätzen ausschließen können, dann muss African Angel selber die Lösung bieten und den Fußballtalenten eine solide und kontrollierte Ausbildung in ihrem ´Traumberuf´ garantieren. Dadurch würden die Kinder neben ihrer normalen Bildungskarriere auch noch eine Fußballausbildung erhalten, also durch ihren Traum nicht an ihrem normalen Schuldurchlauf gehindert werden. Gesagt, getan. Eine Anzeige im DAILY GRAPHIC war schnell geschaltet und 10 Bewerber für den Posten eines Fußball- und Sport-Trainers fanden sich zum Interview ein.
Dazu muss man wissen, dass die meisten Fußball-Trainer in Ghana Arbeitslose sind, die den Job gezwungenermaßen ehrenamtlich machen. Eine bezahlte Anstellung als Fußball-Trainer ist daher fast die Ausnahme. Die Wahl fiel dann auf Mr. Kennedy Sarpong, der seitdem einerseits unsere Fußballtalente professionell trainiert [1] und andererseits samstags in der Frühe das ganze Heim, einschl. BetreuerInnen, in Bewegung bringt. [2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16]
Jugendfußball in Ghana - ohne öffentliche Unterstützung!
Anders als in Deutschland, wo der Bereich Jugendfußball in der organisierenden Verantwortung der Länder-Fußballverbände liegt (in NRW z.B. beim Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverband e.V. in Duisburg), verfügt der Bereich Jugendfußball in Ghana nicht einmal ansatzweise über eine vergleichbare Infrastruktur. Es fehlt an allem, um dem Nachwuchs entsprechende Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten. Keine Plätze, keine Übungsleiter, keine Transportmittel etc.
Auch hier, wie im Bildungsbereich, haben in der Regel nur die halbwegs Begüterten Zugang zu den entsprechenden Möglichkeiten. Warum das so ist? Mit Jugendfußball ist in Ghana kein Cedi zu verdienen! Also wird dort auch nichts investiert. Vor diesem Hintergrund ist auch der ´Hilferuf´ des Regionalen Fußball Verbandes nach finanzieller Unterstützung der sogenannten Colt-Teams (Jugendfußball-Teams) im Lande zu verstehen. Der Verbandsvorsitzende, Alhaji Daudi Yahaya, rief individuelle Förderer, alle Nicht-Regierungs-Organisationen, Politiker, die Ghana Privat Road Transport Union, den Metro Mass Transit Verbund und sämtliche Wohltätigkeitsorganisationen dringend dazu auf, den Jugendfußball Ghanas zu unterstützen.
African Angel - auch in der Jugendsportförderung Klasse!
Diesen Aufruf kannte African Angel nicht, als begonnen wurde, das Fußballförderprogramm zu installieren. Trotzdem setzt der Verein auch hier Maßstäbe.
Unter Anleitung des Trainers entstanden zwischenzeitlich vier Jugendteams:
| Klasse Ghana | Klasse NRW | African Angel / Andere |
|---|---|---|
| U 10 | F-Junioren | 18 / 0 |
| U 12 | D-Junioren | 5 / 13 |
| U 14 | C-Junioren | 3 / 15 |
| U 17 | B-Junioren | 2 / 16 |
Schnell sprach sich auch über unsere Arbeiter herum, dass bei African Angel ein richtiges Fußballtraining angeboten wurde und prompt kamen die Anfragen aus andern Armenvierteln, wie z.B. Teshie. Da aus den African Angel-Kindern alleine keine 4 Colt-Teams gebildet werden konnten, war uns die Verstärkung aus der Nachbarschaft sehr willkommen. Jetzt spielen also schon vier African Angel-Teams erfolgreich im Jugendfußballbereich und African Angel kann die bestehende Infrastruktur (einschl. Transportmöglichkeiten) auch anderen benachteiligten Bevölkerungsgruppen zugänglich machen. Ein weiterer Vorteil ergibt sich hierbei für die dazukommenden Kinder aus den Armenvierteln: sie bekommen vor und nach dem Spiel eine anständige Malzeit. [17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32, 33, 34, 35, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 43, 44, 45, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 63, 64, 65, 66, 67, 68, 69, 70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 101, 102, 103, 104, 105, 106, 107, 108, 109, 110, 111, 112, 113, 114, 115, 116, 117, 118, 119, 120, 121, 122, 123, 124, 125, 126, 127, 128, 129, 130, 131, 132, 133, 134, 135, 136, 137, 138, 139, 140, 141, 142, 143, 144, 145, 146, 147, 148, 149, 150, 151, 152, 153, 154, 155, 156, 157, 158, 159, 160, 161, 162, 163, 164, 165, 166, 167, 168, 169, 170, 171, 172, 173, 174, 175, 176, 177, 178, 179, 180, 181, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197, 198, 199, 200, 201, 202, 203, 204, 205, 206, 207, 208]
Fußball für Mädchen - unsere nächste Herausforderung!
Harriet wäre nicht Harriet, wenn sie nicht auch an die Lage der Mädchen gedacht hätte. Traditionell spielen diese aber in Ghana eher Ampe (traditioneller Mädchen-Wettkampf), Volley- oder Handball! Auf ihre dringende Forderung an den Trainer hin, wird aber jetzt auch verstärkt am Aufbau eines African Angel Mädchen Fußball Teams gearbeitet. Naturgemäß gestaltet sich diese Aufgabe als schwieriger, aber mittlerweile gibt es schon ein Basisteam von 15 Mädchen (5 African Angel / 10 Teshie), die hoffentlich bald eine erfolgreichen und schlagkräftige Mannschaft bilden werden.
Und sicher werden sie es den Jungens nachmachen wollen - die gewinnen nämlich fast jedes ihrer Spiele!
In Sachen Sach-Spenden/Unterstützung und/oder Fragen zu diesem Thema, schicken bitte eine E-Mail an fussball@african-angel.de



